Von allen Mails, die nach unserer Regal-Aktion bei uns eintrudelten, hat uns eine besonders lange beschäftigt. Sie kam von Alfred, sie hatte fünf Fotos im Anhang, und sie war fünf Zeilen lang:
Wie auf mehreren Bildern zu sehen ist, ist mein mittlerweile 86-jähriger Schwiegervater hellauf begeistert von den Puzzles. Als sein Meisterstück bezeichnet er den großen Schaufelradlader. Das hat ihn 4 Wochen lang beschäftigt.
Sein Meisterstück. Vier Wochen. Mit 86. Wir haben lange überlegt, was man dem noch hinzufügen kann, und sind auf genau eine Sache gekommen: die Frage, die viele davon abhält, überhaupt anzufangen.
Das Foto oben zeigt sein Regal. Motorräder, Feuerwehrautos, ein Kettenfahrzeug, eine Straßenbahn, drei Etagen voll. Alles selbst gebaut.
"Schaffe ich das überhaupt?"
Wir fragen nach jedem Kauf, was fast dazu geführt hätte, dass jemand doch nicht bestellt. Die häufigste Antwort ist erfreulicherweise "Nichts, ich war sofort überzeugt". Aber unter denen, die zögern, taucht eine Sorge immer wieder auf: die Unsicherheit, ob man das handwerklich hinbekommt.
Diese Sorge ist völlig normal. Und sie ist, das wissen wir aus tausenden Rückmeldungen, in den allermeisten Fällen unbegründet. Nicht weil unsere Modelle simpel wären, sondern weil ein Holzbausatz keine Begabung verlangt. Er verlangt Zeit.
Vier Wochen für einen Schaufelradlader klingt erst mal nach viel. Aber niemand sitzt vier Wochen am Stück daran. Man setzt sich abends hin, macht ein paar Schritte, steht wieder auf. Und irgendwann ist es fertig.
Jutta, 75, hat sich einfach selbst beschenkt
Ähnlich klar ist Jutta. Ihre Mail bestand aus zwei Sätzen, aber sie sagen alles:
Ich bin Rentnerin und 75 Jahre und bastel sehr gerne, und da ich bald Geburtstag habe, habe ich mir die Schreibmaschine bei Euch gekauft.
Kein Zögern, keine Frage, ob das noch geht, keine Rücksprache mit irgendwem. Sie bastelt gerne, sie hat Geburtstag, sie kauft sich die Schreibmaschine. Wir finden diese Selbstverständlichkeit großartig.
Wie es bei ihr zu Hause aussieht, wenn man das ein paar Jahre so hält, hat sie gleich mitgeschickt: ein deckenhohes Regal, fünf Etagen, Riesenrad, Karussell, ganze Häuserzeilen.
Und wenn doch etwas schiefgeht?
Dann geht etwas schief. Auch das gehört dazu, und Andrea hat es uns dankenswerterweise genau so geschrieben, wie es war:
Drei Modelle sind in Arbeit. Habe so ein bisschen Angst vor diesen Federdingern. Eins war mir schon um die Ohren geflogen und ich musste Ersatz anfordern. Was übrigens super geklappt hat.
Da ist beides drin: die ehrliche Sorge vor den Federn, und der entscheidende Nachsatz. Ein Teil ist kaputtgegangen, sie hat sich gemeldet, sie hat Ersatz bekommen, sie baut weiter. Das ist der ganze Vorgang.
Ersatzteile sind bei uns kostenlos, und zwar ohne Diskussion und ohne Kaufbeleg-Suche. Nicht als Marketing-Versprechen, sondern weil ein zerbrochenes Teil sonst ein ganzes Projekt beenden würde. Und das wäre wirklich schade.
Was diese drei gemeinsam haben
Alfred schreibt über seinen Schwiegervater, Jutta schreibt über sich, Andrea schreibt über drei parallel laufende Projekte. Was sie verbindet, ist nicht handwerkliches Talent. Es ist die Bereitschaft, einfach anzufangen und dranzubleiben.
Ein 86-Jähriger, der ein Modell vier Wochen lang baut und es danach sein Meisterstück nennt, hat etwas verstanden, das in einem Produkttext schwer unterzubringen ist: Der Wert entsteht nicht beim Auspacken. Er entsteht in den vier Wochen dazwischen.
Wo man anfängt, wenn man unsicher ist
Wenn Du zögerst: Fang nicht mit dem größten Modell an. Die Schreibmaschine, die Jutta sich gekauft hat, ist ein guter Einstieg für alle, die etwas Mechanisches wollen, ohne sich gleich einen Bagger ins Wohnzimmer zu stellen.
Danke an Alfred und seinen Schwiegervater, an Jutta und an Andrea. Ihr habt uns diesen Beitrag geschrieben, wir haben ihn nur sortiert.
Im letzten Teil der Serie geht es darum, wie aus einem einzigen Bausatz eine Sammlung wird, ohne dass irgendjemand das je geplant hätte.
Euer MagicHolz-Team



